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Die Frau (aus dem Roman "Vilniaus Pokeris" von Ričardas Gavelis)




Ich bemerkte, dass sein Mantel abgenutzt (sehr abgenutzt war). Zweifellos war ihre normale Spielfigur, eine Disa ohne Namen. Plötzlich riss sie sich auf, beinahe seine Ketten los und sprang mit überraschender Beweglichkeit in einen Oberleitungsbus.
Es war sinnlos, sie zu verfolgen (es gibt nie einen Sinn).
Vielleicht sah ich sie kurz an - eine schwarze Limousine war wieder sehr nah.
Als ob nichts passiert wäre, schoss sie mit einem dumpfen Summen seinen Bauch zu Boden. Das Heckfenster des Autos war mit einem leicht grünlichen Vorhang bedeckt. Was brauchten sie, um sich zu decken? Ich wusste sehr wohl, was ich gesehen hätte, wenn der grünliche Vorhang nicht dort gewesen wäre. Zwei oder drei pummelige Gesichter, ausdruckslose Augen.
Die Vögel tauchten erst wieder auf, als ich die Bibliothek erreichte. Auf der Säule, auf der die Ansagen angebracht waren, saßen zwei dumme Tauben.
Sie haben kaum die Passanten gesehen. Nur manchmal. Ohne den Kopf zu bewegen, kreisten die verrückten Augen. Sie konnten weder fliegen noch gehen. Sie standen auf dem grauen Beton und hockten auf den Füßen mit drei Fingern, fast schon verhext.
Uralte Herrscherin der geflügelten Wesen, Führerin von Tausenden von Herden, gib mir all diese Verstecken des dichten Busches, wirf den Wollknäuel vor den Mensch, der sucht, der den Spuren folgt, in das Auge des Tages und ins Mondlicht führt vorwärts, zeig dem Weg zu dem Mann, der ihn ignoriert!
Er wartete auf mich im Flur der Bibliothek. Ich sage "ich", weil es manchmal so aussieht, als ob auf der Welt alles für mich geschieht.
Schmutziges Wasser regnet für mich, die gelblichen Lichter der Fenster leuchten für mich, bleierne Wolken gleiten über mich.
Es war, als würde ich auf eine weichee Membran laufen, die unter meinen Füßen sank und wie ein Trichter mit steilen Wänden wurde, an deren Ende ich stehen bleibe und alle Ereignisse, Bilder und Worte über mich rollen.
Sie klammerten sich an mich, jede drängte, vor allem ihre Bedeutung durchzusetzen, dass es vielleicht nur angeblich war. Andererseits kann alles von unermesslicher Bedeutung sein. Sie wartet fast sicher nicht auf mich, sondern auf ihr Godot, ein kleines, hübsches Nichts. Ich kann jetzt die unterscheiden, auf die Sie warten. Sie ist immer am Fenster, sie wartet und sie raucht, mit der Zigarette zwischen ihren Fingern, dünn und nervös. Vielleicht hat dieser Godot dieselbe Farbe wie die graue und bläuliche Farbe der Sonne, die hinter dem Fenster scheint, dieselbe Farbe wie der Rauch ihrer Zigarette. Oder war vielleicht jener Godot am Ende “ich”, der im glatten-Wänden -Boden des Trichters verheddert war, besessen von traumähnlichen Vögeln, die auftauchten und verschwanden, und die staubige Dämmerung der Bibliothek peitschten?


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